Gender

Sensibilität für und Auseinandersetzung mit Genderthemen gehören als Bausteine der offenen und demokratischen Gesellschaft ganz klar immer auch auf die Agenda der politischer Bildung. Im Praxisfeld Bewegtbildung ist der Diskurs um Sexismus, Geschlechteridentität und Gleichstellung quer zu allen Kriterien mit zu denken. 

Dass es möglich ist, thematisches Gespür, Format, Ansprache und Ästhetik mit der Zielgruppe  in Deckung zu bringen und dabei eine klare Haltung für eine auch unter Gendergesichtspunkten diverse Gesellschaft einzutreten, beweist etwa die funk-Produktion Auf Klo – eine Webvidereihe auf YouTube mit Gesprächen über Tabuthemen und “nervige Fragen” rund um Sexualität, Identität und Gesundheit. 

Wie wertvoll und erfolgreich Genderthemen mit Blick auf Reichweiten und Identifikation in der politischen Bildung über Webvideo verankert werden können, macht auch das YouTube Satire Kollektiv „Datteltäter“ vor. Und dabei spielt ganz offensichtlich nicht nur die Themenwahl und das kritische Hinterfragen von Rollenbildern, Verhaltensweisen und Strukturen eine Schlüsselrolle sondern ganz offensichtlich auch die unter Diversitätsgesichtspunkten sehr sorgfältige und ausgeglichene Zusammensetzung der Teams und Akteure on Screen.

Und noch einen weiteren spannenden Gedanken der im Themenfeld Gender zentral sein könnte gelingt den Datteltätern eindrücklich: denn auch hier zählt nicht nur der Blick auf die Genderbalance der Fanbase sondern viel wichtiger scheint der Schwenk vom Community-Management zum Community-Empowerment, also die Stärkung der eigenen Follower für das Eintreten ihrer Rechte, Verschiedenheit und Selbstbestimmtheit, die gerade  auch in Lebensbereichen wie Sexualität Geschlechteridentität und Gleichstellung eine wichtige Leerstelle einnehmen kann. 

Dass es aber auch sehr komplex und schwierig sein kann,  Lernziele, Haltung und Themenwahl im Zentrum von Genderdebatten auszubalancieren und gute Bewegtbildungsformate zu etablieren und aufgeladen das Themenfeld sein kann, zeigt der Blick auf ein gescheiterte Vorhaben der Medienbildung eindrücklich. Der Beitrag After #gamergate – Politische Jugendbildungsarbeit, die nicht geklappt hat – und aus der wir lernen können hebt hervor, dass der Austausch zu Fragen von Sexismus (hier in der Gamer*innenszene aber sicherlich nicht nur hier) nicht ohne entsprechende Schutzräume funktioniert, und dass gesellschaftspolitische Positionierung und politischer Artikulation innerhalb bestimmter Szenen keine Selbstverständlichkeit sind. Die Angst vor Rufschädigung macht Teilhabe und Vermittlung eng verzahnt mit dem Phänomen Hatespeech unmöglich.

Alle Beiträge zu Genderthemen

Community-Empowerment durch das Satirekollektiv „Datteltäter“

Als im Jahr 2015 die deutsche Medienlandschaft täglich neue Schreckensszenarien über Geflüchtete verkündete, ein sogenannter "Islamischer Staat" im Nahen Osten entstand und Bewegungen wie Pegida die "Islamisierung des Abendlandes" heraufbeschwörten, trafen sich in Berlin vier junge Muslim*innen und ein Christ...

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After #gamergate – Politische Jugendbildungsarbeit, die nicht geklappt hat – und aus der wir lernen können

"It's a privilege party and most of you are not invited" [1] Manchmal wird aus den tollsten Projektvorhaben – trotz finanzieller Ressourcen, kompetenter Projektpartnerinnen und attraktiver Infrastruktur – einfach mal nichts! Warum? Weil auch erfahrene Akteurinnen der politischen Jugendbildung nicht...

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Agil bleiben. Für die Community. Gegen hate speech. – Zur Kanalentwicklung von „Auf Klo“

Who the fuck is Dr. Sommer? Hier kommt "Auf Klo" "Auf Klo" ist ein Aufklärungsformat, das die KOOPERATIVE BERLIN seit 2016 für funk produziert. Zuerst nur auf eine Staffel angelegt, zählt das Webvideoformat nach knapp zwei Jahren 150 000 Abos auf YouTube...

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